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Was ist Wahrheit?

Über Rolle, Person, Wahrheit und Lüge im Berufsleben

„Echt“ oder „wahr“? Was ist Wahrheit? Was ist Lüge? Was ist richtig, was nicht? Zwischen diesen Begriffswelten liegen feine, aber gravierende Unterschiede. Sie liegen näher beieinander, als wir denken. Sie überlappen sich, und sie bedingen einander.
Aus diesem scheinbaren Begriffswirrwarr ergeben sich berechtigte Fragen.

Die „Lüge“ der Rolle


Muss ich „lügen“ oder die Wahrheit sagen, um zu jemanden zu überzeugen?
Wir alle spielen Rollen, wenn wir uns in bestimmten Situationen oder Positionen befinden. Ist das Einnehmen einer Rolle dasselbe wie Lügen? Muss ich vielleicht sogar lügen, wenn ich meine Rolle konsistent spielen will? Aber hat das alles wirklich mit lügen zu tun?
Bleibt die Frage: Wann bin ich überhaupt „echt“ oder „wahr“?

Wie verhält es sich mit meinem Gegenüber? Kann ich ihm glauben? Wenn ja, warum? Schließlich weiß ich nicht, ob er lügt oder die Wahrheit spricht – wenn er nur ausreichend überzeugend ist.

Die Crux: Bisweilen schleicht sich ein schlechtes Gewissen ein, wenn ich jemanden überzeugen will, aber dabei das Gefühl habe zu lügen. In diesem Moment bin ich als Person wahrhaftig, wirke in meiner Rolle aber nicht echt. Verwirrend?
Jetzt ahnt Ihr schon, wie es uns armen Schauspielern geht, die ständig zwischen Rolle und Person, zwischen „Lüge“ und Wahrhaftigkeit hin- und herspringen müssen.

Überzeugen und verkaufen


In beruflichen Kontexten kommt es zunächst einmal auf die sachliche und funktionellen Kriterien eines Produkts, einer Marke oder eines Unternehmens an. Wir haben es mit Eckdaten, Fakten, Zahlen oder Prozessen zu tun.
Überzeugung und letztlich der Verkauf gelingen am besten, wenn wir echt und wahr sind, mit anderen Worten: wenn wir die Situation persönlich gestalten und dadurch authentisch sind.
Aber Vorsicht! An dieser Stelle ergeben sich die meisten Missverständnisse. „Persönlich“ heißt nicht „privat“!


Eine Aussage kann echt und gleichzeitig wahr sein. Sie muss aber nicht zwingend wahr sein. Aber sie muss immer echt im Sinne der Rolle sein, die ich spiele.
Die Schauspielerin erklärt das scheinbare Dilemma: „Nur weil ich eine Täterrolle echt und glaubhaft transportiere, bin ich diese Täterin nicht auch in der Wirklichkeit.

Echt sein


Als Schauspielerin erwarte ich, dass man mir „die Rolle abnimmt“. Das kann ich erreichen, wenn ich echt und authentisch als Person bin. Bin ich das nicht, kann ich die Rolle nicht so spielen, dass sie andere überzeugt. „Gelogen“ ist der Part also nur im Bezug auf mich als Privatperson.
Dieses „Rollenspiel“ aber will gelernt sein. Ich muss meine Wahrnehmung von mir selbst optimieren – und zwar ohne Bewertung! Nur so kann ich eine Performance entwickeln, die andere überzeugt. Nur so kann ich in meiner Rolle persönlich und echt sein, so dass es mein Gegenüber spürt. Es spürt auch sofort, wenn ich nicht echt bin, das heißt, wenn ich meine Rolle nicht gut spiele – weil vielleicht die Privatperson mit der Persona kollidiert.
Dann kann ich so viel und so schön reden, wie ich will. Es wird nichts mehr nützen. Ich werde mein Gegenüber nicht zum Handeln motivieren können.
Ihr seht: „Lüge“ oder „Wahrheit“ ist gar nicht immer die Frage. Es kommt darauf an, echt zu sein.

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