Helden am Ende der Reise (und praktische Alternativen)

Es war einmal ein Religionshistoriker namens Joseph Campbell, der sich von den „Archetypen“ des Psychiaters C. G. Jung beeindrucken ließ, der seinerseits von den „Elementargedanken“ des Reisenden Adolf Bastian schwärmte. Bastian vertrat vor mehr als 100 Jahren eine Ethnologie, die mit wenigen Ausnahmen von zutiefst eurozentrischen Konzepten geprägt war. Das heißt, sie übertrug eigene kulturelle Züge auf andere Gesellschaften. Und plötzlich war die Welt voller Herkulesse und Achills. In kulturwissenschaftlichen Fachkreisen hat Campbell’s Behauptung von der Existenz eines universalen archetypischen Helden bestenfalls Unterhaltungswert. Großen Einfluss aber hatte sie auf  George Lucas, während er die Star Wars-Trilogie entwickelte. Für heldenstrotzende Hollywoodschinken könnte man Campbells „Erkenntnisse“ mit viel gutem Willen als schwertscharfes Analyseinstrument betrachten. Ansonsten hat es einen hoch verdienten Platz in der Mottenkiste – vor allem, wenn wir uns in internationalen Kontexten bewegen, welche die Erzähltradionen Europas und seiner Derivate verlassen.

Marketinghelden

Gut erzählte Information ist der Königsweg zu Publikum, Freunden und Kundschaft. Besonders im Online- und Content-Marketing wimmelt es inzwischen dermaßen von Helden auf Reisen, dass es bereits zu Buchungsengpässen bei den einschlägigen Buchungsportalen kommt. Aber die „Experten“ werden nicht müde, Joseph Campbell zu beschwören und als heroische Animateure zu brillieren: 12 Stationen Reise, Protagonisten, Helfer, Antagonisten, Hindernisse, Konflikte, Herkules und Donnerwetter …

Machen Sie’s kurz!

Zum Beispiel so: Der Klassiker unter den Formaten für gut erzählte Information ist die Vorher–Nachher–Erzählung. Sie ist inhaltlich in drei Phasen unterteilt:

PHASE 1 – Zustand vor Einsatz des Produkts / der Kenntnisse / Dienstleistung

PHASE 2 – Umschaltpunkt: Veränderung des Zustandes / Wende

PHASE 3 – Der verbesserte Zustand nach Einsatz des Produktes / der Kenntnisse / Dienstleistung

Die formale Struktur – nicht identisch mit den Phasen – ist ebenfalls ein Dreischritt. Er folgt der klassischen Disposition für alle Texte: Anfang – Mittelteil – Schluss. Wie man Phasen, Struktur und Textökonomie zu einer guten Geschichte zusammenfügt, könnt Ihr hier üben.

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